Technischer Defekt: Wenn Alltagshelfer zu Feuerteufeln werden

BrandgefahrSachschäden, Verletze oder gar Tote – täglich verzeichnen Polizei und Feuerwehr Brände und Unfälle mit » teils verheerenden Folgen. Häufig sind weder Straftat noch Eigenverschulden ursächlich: Vielmehr ist bereits als „gefährlich“ bekannte Technik der Auslöser, aber ... Betroffene haben von diesen Gefahren noch nie etwas erfahren.

Nicht mehr wegzudenken und hochgeschätzt: Elektrogeräte, die uns durch den Alltag begleiten, die Arbeit erleichtern, Zeit und Stress ersparen, uns unterhalten. Doch die Technisierung des Alltags hat auch eine Schattenseite. Technik, ob namhaft oder unbekannt, teuer oder preiswert, kann versagen. Insbesondere Geschirrspüler, Wäschetrockner, Waschmaschinen, Fernsehgeräte, Notebooks, E-Bikes und Haartrockner verursachen fast täglich Brände, durch die Personen und Familien teilweise ihr ganzes Hab und Gut verlieren. Wenn dann obendrein der Rauchmelder nicht zuverlässig funktioniert (was im Übrigen absolut keine Seltenheit ist), kommt es immer wieder vor, dass auch für Menschen jede Hilfe zu spät kommt.

Was nach einem „Blockbuster“ klingt, ist leider grausame Realität.

Sind nach einem Brand eine Straftat oder Eigenverschulden auszuschließen, werden Ermittlungen der Polizei schnell als beendet erklärt - bekannte Auffälligkeiten zum ursächlichen Produkt oder gar Fragen zur Haftung spielen für eine weitere Verfolgung keine Rolle. Es bleiben der Vermerk „technischer Defekt“ und Verbraucher, die auf sich gestellt sind, zurück. Was in diesen Fällen fehlt, sind Hersteller, die Verantwortung übernehmen und diese der Öffentlichkeit gegenüber zum Ausdruck bringen. Informationen, angemessen publiziert, könnten vor Sachschäden bewahren und ggf. Leben retten, gar eine Basis für Vertrauen und Reputation schaffen. Doch immer wieder dominieren wirtschaftliche Interessen über ethische Richtlinien, sodass stark profitorientierte Kosten-Nutzen-Abwägungen erfolgen. In Furcht vor Reputationsschäden oder augenscheinlich vermeidbaren Kosten reagieren Hersteller zu oft mit Schweigen oder betreiben minimale Kommunikation, die aufgrund zeitlicher, inhaltlicher oder reichweitenbezogener Beschränkungen nicht als ausreichend zu erachten ist.

Hier sind Verbraucher gefragt, Eigeninitiative zu ergreifen: In jedem Fall eines Schadens infolge eines technischen Defekts empfiehlt sich die Prüfung einer Produkthaftung. Ist diese nicht auszuschließen, wird spätestens dann auch eine der Kernfragen sein: Wurde "angemessen und wirksam" gewarnt? Denn: Jeder "Inverkehrbringer" hat sicherzustellen, „dass der Verwender die Informationen erhält, die er benötigt, um die Risiken, die mit dem Verbraucherprodukt während der üblichen oder vernünftigerweise vorhersehbaren Gebrauchsdauer verbunden sind und die ohne entsprechende Hinweise nicht unmittelbar erkennbar sind, beurteilen und sich gegen sie schützen zu können" (Auszug aus § 6 » Produktsicherheitsgesetz "ProdSG").

Präventiv gilt für Jedermann:

  • Informieren Sie sich vor der Anschaffung von Elektrogeräten über potenzielle Gefahren(quellen): Die » Recherche nach Rückrufen kann helfen, bereits bekannte Risiken zu erkennen.
  • Prüfen Sie Ihre Gerätschaften auf Betroffenheit!Verfolgen Sie stets Produktwarnungen und -rückrufe, denn auch bei bereits erworbenen und langjährig einwandfrei arbeitenden Geräten kann jederzeit ein technischer Defekt auftreten.
  • Vermeiden Sie Leichtsinn und gehen Sie achtsam mit technischen Geräten um.
  • Haben Sie einen Schaden durch einen „technischen Defekt“, so zögern Sie nicht, die für Ihren Wohnort zuständige » Marktüberwachungsbehörde zu informieren.

Denken Sie immer daran: Ehe man sich versieht, können aus Haartrockner & Co. wahre Missetäter und Feuerteufel werden.

Gastbeitrag von: Annika Müller
Studentin der Kommunikationswissenschaft
Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Nützliche Quellen:

  • gesetze-im-internet.de: » "Produktsicherheitsgesetz (ProdSG)"
    "Ein Produkt darf nur auf dem Markt bereitgestellt werden, wenn es die Sicherheit und Gesundheit von Personen bei bestimmungsgemäßer oder vorhersehbarer Verwendung nicht gefährdet."
    und:
    "Der Hersteller, sein Bevollmächtigter und der Einführer haben jeweils im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit Vorkehrungen für geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von Risiken zu treffen, die mit dem Verbraucherprodukt verbunden sein können, das sie auf dem Markt bereitgestellt haben; die Maßnahmen müssen den Produkteigenschaften angemessen sein und reichen bis zur Rücknahme, zu angemessenen und wirksamen Warnungen und zum Rückruf."

  • gesetze-im-internet.de: » "Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG)"
    "Wird durch den Fehler eines Produkts jemand getötet, sein Körper oder seine Gesundheit verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist der Hersteller des Produkts verpflichtet, dem Geschädigten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen."


Stiftung Warentest

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